„Was ihr wollt“ steht in einer literarischen und in einer volkstümlichen Tradition. Die literarische ist begründet mit den „Menaechmi“ von Plautus, der klassischen Verwechslungskomödie, die auch die Vorlage für Shakespeares frühe „Comedy of Errors“ (ca. 1592) ist. An sexuellen Verwechslungen ist das Stück reich: ein Herzog macht der Gräfin den Hof, ist aber seinem Diener zugetan, Frauen verlieben sich in Frauen, Schwestern hängen ihren totgemeinten Brüdern nach, schließlich wird die Schwester mit dem Bruder verwechselt. Nur Malvolio liebt sich allein, oder – was dasselbe ist – wünscht sich von seiner Gräfin geliebt zu werden.
Zwei Parteien tun sich auf, die Diener treiben ihr Spiel mit den Herren. Aber vor allem mit einem der ihren, der sich Hoffnungen auf eine höhere gesellschaftliche Stellung macht. Malvolios Gehabe, der als Diener die Gesten der Edlen nachäfft, wirkt lächerlich, karikiert aber auch seine geschniegelt-gespreizten Vorbilder. Die Verwechslungen beruhen auf Verdopplungen, auf dem spielerischen Auflösen festgelegter Identitäten, Befreiung von Zwängen in und durch die Illusion. Der Karneval demaskiert seine eigene Komik, indem er im Lächerlichen menschliches Leiden und Zwanghaftes aufdeckt. Malvolios verlachte Humorlosigkeit und sein vermessener Griff nach den Sternen sind weiter verbreitet als man glaubt. Diese Komödie ist groß, weil sie wahr ist und befreit.